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KASIMIR UND KAROLINE
Interessantes für Literaturfreaks

Caro hat durch ihren Deutschlehrer Ödön von Horváths Theaterstück „Kasimir und Karoline“ kennen gelernt. Eigentlich hätten die Schüler das Volksstück mit verteilten Rollen lesen sollen, der Lehrer hat den Plan aber schnell wieder aufgegeben, weil sich die Buben nicht dafür interessiert haben.

Caro allerdings hat Gefallen an dem Stück gefunden und sich das Textbuch behalten. Sie liest es gemeinsam mit ihrer Freundin Lucie.

Wer ist dieser Ödön von Horváth?

ÖDÖN VON HORVATHÖdön von Horvath wurde 1901 als unehelicher Sohn eines ungarischen Diplomaten in Fiume (damals in Ungarn, heute Rijeka in Kroatien) geboren. Er besuchte Schulen in Budapest, Wien und München und studierte anschließend Germanistik in München. Als die Nationalsozialisten immer mächtiger werden, warnt er vor dem Faschismus, 1933 geht er zunächst nach Wien, nach dem Anschluss Österreichs 1938 emigriert er nach Paris, wo er am 1. Juni auf den Champs-Élysées bei einem Gewitter von einem Ast erschlagen wird.

Ödön von Horváth hat vor allem Volksstücke geschrieben. „Geschichten aus dem Wienerwald“ und der Roman „Jugend ohne Gott“ zählen zu seinen bekanntesten Werken.

Wenn du mehr über den Autor wissen willst, dann schau auf die Seite http://www.literaturhaus.at/autoren/H/horvath/. Auf dieser Webseite (http://www.literaturhaus.at/autoren/H/horvath/fotografien/) findest du Fotos von Ödön von Horváth.

Das Volksstück „Kasimir und Karoline“ wurde am 18. November 1932 in Leipzig uraufgeführt. Der ursprüngliche Untertitel lautete „Sieben Szenen von der Liebe, Not und Leid, und unserer schlechten Zeit“.

Horváth hat das Zitat „Und die Liebe hört nimmer auf“ aus dem Neuen Testament („Hohelied der Liebe“) als Motto seines Volksstücks gesehen. Die Liebe hört auch in dem Stück nicht auf, aber sie verändert sich und wechselt die Partner. „Nehmen wir an, Sie lieben einen Mann“, sagt der Zuschneider Schürzinger. „Und nehmen wir weiter an, dieser Mann wird nun arbeitslos. Dann lässt die Liebe nach, und zwar automatisch.“ Wenn es den Menschen schlecht geht, sind auch die Beziehungen schlecht.

Karoline meint einmal: „Wenn es dem Manne schlecht geht, dann hängt das wertvolle Weib nur noch intensiver an ihm“. Doch als ihr Verlobter Kasimir seinen Arbeitsplatz verliert und deshalb sehr pessimistisch denkt und spricht, hält sie es auch nicht mehr mit ihm aus. Sie will sich auf dem Oktoberfest in München vergnügen und sucht deshalb andere Bekanntschaften. Der Zuschneider Schürzinger meint es noch gut mit ihr. Doch der Kommerzienrat Rauch, der Karoline wegen seines Reichtums und ihrer Hoffnung, ihre gesellschaftliche Stellung zu verbessern, noch mehr anzieht, ist nur auf ein erotisches Abenteuer aus. Im Auto nach Altötting bekommt er allerdings einen Herzanfall, wird auf eine Sanitätsstation gebracht und will nichts mehr von Karoline wissen, die ihm eigentlich das Leben gerettet hat, weil sie rechtzeitig gebremst hat. Karoline versucht nun vorsichtig wieder ihren Kasimir zurückzugewinnen, doch der will nichts mehr von ihr wissen und spuckt aus, als sie ihn küsst. Karoline bleibt aber nicht lange alleine, denn Schürzinger erscheint und meint: „Du brauchst einen Menschen, Karoline“.

Warum könnte sich Caro von Kasimir und Karoline angezogen fühlen? Könnte sich Caro mit Karoline identifiziert haben?

  • Auffallend ist schon einmal die Namensgleichheit – Caro heißt ja sicherlich auch nach ihrer Mutter Karoline und verwendet nur den moderneren Spitznamen Caro.

  • Kasimir und Karoline sind keine schlechten Menschen. Wenn es ihnen gut ginge, könnten sie vielleicht ein glückliches Paar abgeben. Die schlechte wirtschaftliche Situation Kasimirs (das Volksstück spielt nach der Weltwirtschaftskrise 1929, Kasimir hat keine Verwandten und ist soeben gekündigt worden) macht eine gute Beziehung unmöglich. Auch Karoline und Caro sind keine schlechten Menschen. Wäre ihre Lebenssituation ein bisschen besser gewesen, wäre vielleicht auch die Mutter-Tochter-Beziehung eine bessere gewesen.

  • Kasimir ist aufgrund seiner Kündigung depressiv. Karoline glaubt, das Recht zu haben, sich amüsieren zu können. Auch Caro will sich nur amüsieren. Sie will es einfach nicht wahrhaben, dass die Mutter kein Geld und kein Auto hat.

  • Karoline glaubt, dass sie ihre gesellschaftliche Situation verbessern kann, wenn sie mit dem Kommerzienrat Rauch mitgeht. Caro kann ihre Situation in der Klasse ein wenig verbessern, indem sie Markenkleidung trägt und kleine (gestohlene) Geschenke macht. Doch beide erkennen letztendlich, dass sie gescheitert sind. Karoline: „Ich habe es mir halt eingebildet, dass ich mir einen rosigeren Blick in die Zukunft erringen könnte - - und einige Momente habe ich mit allerhand Gedanken gespielt. Aber ich müsste so tief unter mich hinunter, damit ich höher hinauf kann.“

Es gibt viele Zitate in Ödön von Horváths Volksstück, die auch auf die Situation Caros passen:

Karoline: „Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich - - aber dann kehrt man zurück mit gebrochenen Flügeln und das Leben geht weiter, als wär man nie dabei gewesen - -„

Erna: „Aber die Menschen wären doch gar nicht schlecht, wenn es ihnen nicht schlecht gehen tät. Es ist das eine himmelschreiende Lüge, dass der Mensch schlecht ist.“

 

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KASIMIR UND KAROLINE CoverÖdön von Horvath: Kasimir und Karoline
Volksstück. Text und Kommentar von Dieter Wöhrle
Suhrkamp BasisBibliothek (SBB) Nr.28, 2002, 146 Seiten
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 3518188283
Preis: € 7,20

 

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