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GESCHLECHTERROLLEN

Zu Anne Fine: Bills neues Kleid


Zeit, aus der Rolle zu fallen!
Was ist in dieser Geschichte passiert? Bill wacht eines Morgens als Mädchen auf. Seine Verwirrung ist groß, vor allem weil er plötzlich ganz anders behandelt wird. Warum?

Du hast sicher schon einmal den Begriff "Gender" (sprich: dschenda) gehört. Weißt du auch was er bedeutet? Mit dem englischen Wort "Gender" wird das "soziale" Geschlecht bezeichnet - im Gegensatz zum "biologischen" Geschlecht. Das heißt, es gibt Erwartungshaltungen (die meist unbewusst sind), wie sich ein "richtiger Mann" oder eine "richtige Frau" zu verhalten hat. Diese Erwartungen erzeugen wiederum ein bestimmtes Verhalten, das für Burschen oder Mädchen "typisch" ist.

Wenn du Eigenschaften wie emotional, schön, sensibel, fürsorglich, gepflegt, launisch, romantisch, geduldig usw. hörst, würdest du die einem Buben oder Mädchen zuordnen? Und wie sieht es mit folgenden Wörtern aus: stark, kontrollierend, intelligent, beschützend, kompetent, dominant, kontrolliert, gefühlsreduziert usw.? Erinnern dich diese Eigenschaften an eine Frau oder an einen Mann?

Du merkst, dass wir alle diese "typischen" Verhaltensweisen beziehungsweise Vorurteile im Kopf haben, die aber nicht unbedingt stimmen, uns immer wieder ein falsches Bild vom "anderen Geschlecht" vermitteln und uns in unseren eigenen Rollen einschränken. Genau das ist auch Bill passiert. Er wollte als stark, mutig und kompetent gesehen werden, aber seine Umwelt hat ganz anders reagiert, weil ihm als Mädchen so genannten "mädchenspezifische" Eigenschaften zugeschrieben wurden.

Diese "Ungleichbehandlung" beginnt schon sehr früh. Es gibt Studien, die zeigen, dass bereits Babys ihrem Geschlecht entsprechend unterschiedlich behandelt werden. Mädchen und Buben werden z. B. oft unterschiedlich lange gestillt. Mit Mädchen wird mehr gesprochen, sie werden sanfter berührt. Jungen erhalten mehr Handlungsspielraum und werden meist zu größerer Unabhängigkeit ermuntert. Solche Erfahrungen werden durch Botschaften von Medien, Werbung, Schule, Familie usw. im Laufe des ganzen Lebens verstärkt. Traditionell männliches oder weibliches Verhalten wird noch immer als positiv hervorgehoben. Männliche Sportstars und weibliche Supermodels - harte, aktive, erfolgreiche Männer und schöne, sensible Frauen - gelten vielfach immer noch als Rollenvorbilder. Wenn man in der eigenen Entwicklung keine Möglichkeit bzw. Unterstützung bekommt, diese "Stereotypen" zu durchbrechen, wird man in seinen Entfaltungsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Das ist ein Thema, das auch im Erziehungs- und Schulsystem zunehmend berücksichtigt wird und dort auch einen wichtigen Platz einnehmen sollte.

Vielleicht könnt ihr in eurer Klasse darüber diskutieren, welche Rollenklischees ihr kennt, wie ihr euch selber seht, und welche Erfahrungen ihr im Alltag gemacht habt. Welche Möglichkeiten gibt es, festgefahrene Rollenbilder aufzubrechen?

LINKS

Informationen zum Thema Gender findest du auf:
http://www.gendermainstreaming.at
http://www.gender-mainstreaming.net/

Die AHS Rahlgasse in Wien hat ein tolles Projekt zum Thema Gender gemacht:
http://www.univie.ac.at/gender/index.php?id=261

Auch die KMS Johann-Hoffmann-Platz hat ein empfehlenswertes Projekt gestartet:
http://joho.homac.at/plus/plus.html

 

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