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DAS JUDENTUM Ein kurzer historischer Überblick |
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Das Judentum ist die älteste und die kleinste unter den Weltreligionen. Die Geschichte dieser Religion reicht ca. 4000 Jahre zurück. Jude ist, wer eine jüdische Mutter hat oder nach dem jüdischen Religionsgesetz zum Judentum übergetreten ist und wer an den Gott Israels – den einen und einzigen Gott – glaubt. Dieser Gott hat auf dem Berg Sinai Moses die Thora gegeben, in der sich auch die 10 Gebote als Kernstück der Religion befinden.
Die Juden glauben nur an den einen und einzigen Gott, der bildlos ist. Sie kennen den Begriff der Erbsünde nicht. Jeder Mensch ist für seine Taten selbst verantwortlich und kann deshalb auch selbst seine Taten bereuen und wiedergutmachen. Beim Beten wird eine Beziehung zu Gott hergestellt. Bevor der Jude betet, wäscht er Mund und Hände. Aus Gottesfurcht bedeckt er seinen Kopf mit einem kleinen Käppchen, der Kippa. Jüdische Männer tragen einen Gebetsmantel (Tallit) und befestigen Gebetsriemen (Tefillin) mit Gebetskapsel um den linken Oberarm und an der Stirn. Gläubige Juden bringen am Türstock ihrer Wohnung eine Mesusa an, einen kleinen Behälter mit Thoraversen, den sie beim Eintreten in die Wohnung berühren. Der Gottesdienst findet in der Synagoge statt. In orthodoxen Gemeinden ist die Sprache der Liturgie (= gottesdienstliche Handlungen) Hebräisch, die Predigt findet in der Landessprache statt. Im orthodoxen Judentum werden alle Funktionen in der Synagoge von Männern übernommen, die Frau ist für die häusliche Religiosität zuständig. Im Reformjudentum gibt es aber auch Rabbinerinnen und Kantorinnen. Der erste und wichtigste Feiertag der Juden ist der siebente Tag der Woche, der Sabbat (= Samstag). Die Juden haben jedoch eine Vielzahl von Festen, die sich nach den Mondphasen richten. Übrigens haben die Juden eine andere Jahreszählung als wir. Die Zählung beginnt nämlich mit der Schöpfung. Wenn du also das jüdische Jahr wissen willst, dann musst du 3760 zum Jahr des gregorianischen Kalenders dazuzählen. In unserem Jahr 2004 haben die Juden also das Jahr 5764. Geburt, Mündigwerden, Hochzeit und Tod sind im Leben des Juden wichtige Stationen. Buben werden am 8. Tag nach ihrer Geburt beschnitten, das heißt, die Vorhaut ihres Glieds wird entfernt. Dabei bekommen sie auch ihren Vornamen. Mädchen erhalten ihren Namen am Sabbat nach der Geburt in der Synagoge. Am Sabbat nach seinem 13. Geburtstag wird ein Knabe Bar-Mizwa (Sohn der Pflicht), das heißt, er wird in der Synagoge das erste Mal zur Lesung in der Thora aufgerufen. Ein Mädchen wird mit 12 mündig (Tochter der Pflicht – Bat-Mizwa). Die Ehe und die Zeugung von Kindern werden im Judentum als religiöse Pflicht betrachtet, Scheidung ist möglich. Beim Tod eines Menschen wird dieser auf den Friedhof begleitet, als Zeichen der Treue legt man später beim Besuch immer wieder Steine auf den Grabstein. Wahrscheinlich hast du schon von den Speisevorschriften der Juden gehört. Sie dürfen nur koscheres (= reines, erlaubtes) Fleisch essen. Koscheres Fleisch stammt von Tieren, die gespaltene Hufe haben und zugleich Wiederkäuer sind (Schweine sind also nicht koscher, weil sie keine Wiederkäuer sind). Außerdem muss das Tier vorschriftsmäßig geschlachtet worden sein. Diese Form der Schlachtung nennt man Schächtung: Die Tiere müssen mit einem einzigen Schnitt an der Halsschlagader getötet werden und müssen anschließend ausbluten. Fleisch darf auch nicht mit Milch oder Milchprodukten gekocht oder gegessen werden. Die Juden wurden im Laufe der Geschichte immer wieder verfolgt. Heute gibt es weltweit ca. 18 Millionen Juden, davon etwa 5 Millionen in Israel. Die meisten leben in der Diaspora, das heißt in der Fremde verstreut. Die meisten Juden gibt es in den USA, einige Zentren findet man auch in Südamerika und Russland. Durch die Judenverfolgung im Nationalsozialismus leben nur noch wenige Juden in Europa, davon etwa 12 000 in Österreich. Mehr als 6 Millionen Juden sind im Dritten Reich ermordet worden, davon kamen 65 300 aus Österreich. Der Staat Israel - heute das geografische und politische Zentrum der Juden - wurde 1948 gegründet. |
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Erläuterungen: Kantor: Vorsänger Moses: Nach dem Alten Testament war Moses Führer, Prophet und Gesetzgeber der Israeliten. Er führte die Israeliten aus Ägypten, wo sie zu Zwangsarbeiten verpflichtet waren, in das "gelobte Land" (heute: Israel und Palästina). Sabbat: wöchentlicher Ruhetag der Juden zur Erinnerung an das Ruhen Gottes am 7. Tag der Schöpfungswoche (vergleichbar dem Sonntag im Christentum). Er beginnt am Freitagabend und endet am Samstagabend nach Eintritt der Dunkelheit. Synagoge: Versammlungsort, Gottesdienstgebäude der Juden |
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