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DAS SCHICKSAL DER JUDEN IM DRITTEN REICH
U. a. zu:
Renate Welsh, Besuch aus der Vergangenheit
Ingrid und Christian Mitterecker, Zwei Geschichten der Demütigung

 

Die Grundlage - der Antisemitismus


Die Geschichte der Judenfeindschaft reicht zurück bis in die Antike. Ab dem späten 19. Jahrhundert wurde sie als Antisemitismus bezeichnet: Nun hetzte man gegen Juden nicht mehr nur als Anhänger einer anderen Religion, sondern auch als andere (niedere) "Rasse". Während des Nationalsozialismus gipfelte der Antisemitismus in der Enteignung, Vertreibung und Ermordung der Juden.

Schon im 1. Jahrhundert nach Christus wurden Juden, die die neue Lehre ja ablehnten, von den Christen verachtet. Man warf ihnen nicht nur Christenfeindlichkeit, sondern auch Christusmord vor. Zu dieser Ablehnung trug auch das Neue Testament maßgeblich bei. Denken wir an den Begriff "Pharisäer"! Ein Pharisäer ist auch heute noch ein Heuchler und Judas ist der Prototyp des Verräters.

Als im 13. Jahrhundert die Transsubstantiationslehre verkündet wurde, entstand eine neue Form der Angst vor Juden. Man dachte, dass sie nun als Feinde Christi seinen Leib (in Form der Hostie) nochmals durchbohren würden. Dieser Vorwurf der Hostienschändung führte zu einer Welle der Gewalt gegenüber jüdischen Mitmenschen. Man nahm auch an, dass sie christliche Buben schlachten und zu rituellen Zwecken verwenden würden. Dieses Gerücht verbreitete sich hartnäckig und war bis ins 20. Jahrhundert immer wieder Anlass zu Gewalttaten an Juden (Pogrome).

Auch die gesellschaftliche Stellung von Juden wurde immer schlechter. Man schloss sie von den Handwerkszünften, die man als christliche Bruderschaften betrachtete, aus, sodass sie gezwungen waren, sich mit dem Handel und der Geldleihe zu beschäftigen. Geld gegen Zinsen zu verleihen war Christen bekanntlich verboten. Nun sah man in ihnen die reichen Wucherer, was wieder einen Anlass für Übergriffe darstellte.

Seit dem Mittelalter gab es auch besondere Kleidungsvorschriften für alle Gesellschaftsschichten. Außenseiter der Gesellschaft (wie zum Beispiel Seuchenkranke oder eben als Außenseiter angesehen Juden) mussten besondere Erkennungszeichen tragen. Im Falle der Juden war es die Farbe Gelb. In den folgenden Jahrhunderten kam der spitze Hut als zusätzliches Erkennungszeichen dazu.

Im 16. Jahrhundert begannen sich die Juden gegen diese Stigmatisierung zu wehren. Zunächst missachteten sie die Vorschriften, später gelang es einigen, sich freizukaufen. Als die Kirche auch den Christen erlaubte, Kapital zu verleihen und dafür Zinsen zu nehmen, bekamen die jüdischen Geldverleiher große Konkurrenz und verarmten zunehmend. Trotzdem sahen die Christen in den Juden immer die Reichen. Und von den Herrschenden wurden sie als Sündenböcke für gesellschaftliche Missstände präsentiert, worauf sich an ihnen die Unzufriedenheit der Unterschichten ersatzweise austobte.

HOLOCAUST-SEITEN IM INTERNET

Einige wenige interessante Adressen für alle, die sich eingehender mit dem Thema auseinandersetzen möchten...

Shoa.de
Die umfangreichste Webseite zum Holocaust (darunter auch Berichte über zahlreiche Konzentrationslager)

Gedenkstätte Mauthausen

Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau
Englischsprachige Website

Oscar Schindler
Wissenswertes über Oscar Schindler

Anne Frank
Die Homepage des Anne-Frank-Hauses in Amsterdam

GEDENKSTÄTTE AUSCHWITZ

 

Im 19. Jahrhundert begannen Juden sich in denjenigen Parteien politisch zu engagieren, die sich für die Gleichstellung der Juden aussprachen. Das waren die liberalen, sozialistischen und später die kommunistischen Parteien. Nun entstand in den christlich-konservativen Parteien und bei den Anhängern der überkommenen Ordnung ein neues Bild, das Bild des radikalen und zum Umsturz neigenden Juden.

Der Höhepunkt des Antisemitismus und damit der Judenverfolgungen ist verknüpft mit der Geschichte des Dritten Reichs. Im Zusammenhang mit der Massenvernichtung der Juden spricht man von Holocaust oder von Shoa. Die Vernichtung der Juden fand großteils in den Konzentrationslagern ("KZ") und in eigens dafür errichteten Vernichtungslagern mittels Giftgas statt. Besonders berüchtigt war Auschwitz-Birkenau im heutigen Polen. Hinter den Linien der nach Osten vorrückenden "Wehrmacht" wurden daneben Hunderttausende Juden von SS-Angehörigen und sogenannten "Einsatzgruppen" ermordet. Von der Vernichtung waren aber auch andere Minderheiten wie die Sinti und Roma (fälschlicherweise als "Zigeuner" bezeichnet), Homosexuelle, Kriminelle und Behinderte bedroht. Behinderte wurden in eigenen Anstalten oder Spitälern unter dem Vorwand der Euthanasie getötet.

Antisemitismus heute:

Antisemitismus ist auch heute noch vorhanden, obwohl viele Menschen im Alltagsleben kaum bewusst mit Juden zusammentreffen. Dennoch hört und liest man immer wieder von Zerstörungen von Synagogen oder Schändung von jüdischen Friedhöfen.

Neben den alten Stereotypen bedient sich der heutige Antisemitismus auch neuerer Vorwände:

  • Man unterstellt Juden, dass sie ihre Leiden in der NS-Zeit dazu verwenden, um immer höhere Summen an Wiedergutmachungs-Geldern zu kassieren.

  • Es stört viele Menschen, dass Juden sie immer wieder an eine Zeit erinnern, die viele gerne vergessen wollen.

  • Man macht Juden für den Nahostkonflikt verantwortlich.
    (Das ist vor allem ein Grund für den Antisemitismus von muslimischen Zuwanderern.)

Demütigungen von Juden im 3. Reich


Im März 1938 besetzte die deutsche Armee Österreich. Österreich wurde nach diesem Anschluss Teil des Deutschen Reiches und als Ostmark bezeichnet.
185 000 Juden lebten zu dieser Zeit in Österreich, 170 000 davon alleine in Wien. Nun wurden auch sie gedemütigt, verhaftet, misshandelt oder sogar getötet, wie es in Deutschland schon seit 1933 üblich war.

Die folgenden Fotos, die du über die angegebenen Links erreichen kannst,  sollen dir einen kleinen Eindruck von den Demütigungen vermitteln, die Juden erdulden mussten.

 

Bild 1: Abwaschen des Kruckenkreuzes durch Juden
Die Demütigung von Juden dient hier nicht nur der Befriedigung antijüdischer Emotionen, sondern auch der Festigung der neuen Ordnung. Das Kruckenkreuz war das Symbol der Vaterländischen Front. Diese wiederum war die Einheitspartei in Österreich 1934 - 38. Das Kruckenkreuz wurde als Symbol des Ständestaates von den Nationalsozialisten zerstört.
Foto: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands

 

Bild 2: "Reibeaktion"

Dieses Foto wurde unmittelbar nach dem Anschluss in einer Straße in Wien aufgenommen. Es handelt sich um eine der vielen, durch Augenzeugenberichte überlieferten „Reibeaktionen“. Es ist nicht bekannt, wer der Fotograf war. Auf dem Foto sind Menschen zu sehen, die auf der Straße knien. Sie werden gezwungen die Straße zu säubern. Sie knien in Reihen und haben Wassereimer vor sich stehen. Deutlich ist zu erkennen, dass die Menschen mit lächerlich kleinen Bürsten arbeiten müssen. Daran wird deutlich, dass diese Menschen erniedrigt werden sollen.
Foto: Haus der Wannsee-Konferenz, Berlin

 

Bild 3: "Reibeaktion"

Jüdische Geschäftsleute aus dem 3. Wiener Gemeindebezirk werden von  SA-Leuten zum Straßenreiben gezwungen. "SA" bedeutet Sturmabteilung. Es handelte sich um eine uniformierte und bewaffnete spezielle Kampftruppe der Nationalsozialisten, deren Rolle in den 30er Jahren von der SS, der Schutzstaffel, übernommen wurde.
Foto: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands

 

Bild 4: Reinigen von Motorrädern

Jüdische Frauen müssen im März 1938 auf dem Lainzer Platz in Wien / Hietzing die Motorräder der Deutschen Wehrmacht putzen.
Foto: Kulturzeitschrift David

Arisierungen


Als die 14-jährige Lena Besuch von Frau Emma Greenburg bekommt, die das Haus besichtigen will und behauptet, dass sie als fast 14-Jährige in ihrem Zimmer gewohnt habe, kommt das Lena sehr eigenartig vor. Warum nennt Oma sie Grünberg und warum ist Oma überhaupt nicht nett zu ihr? Ist das Haus vielleicht nicht rechtmäßig erworben worden?

Das Haus könnte aufgrund von Arisierung an Lenas Familie gekommen sein. Arisierung ist der nationalsozialistische Begriff für die Ausschaltung der Juden aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben sowie die zwangsweise Überführung ihres Besitzes an nichtjüdische Eigentümer.

1938 wurden alleine in Wien 70 000 Wohnungen jüdischer Bürger „arisiert“ („entjudet“), entweder von der GESTAPO enteignet oder wild geplündert. Die Bewohner wurden vertrieben oder deportiert. Die Einrichtungsgegenstände wurden im Mobiliendepot eingelagert. 1939 wurde ein Großteil dieser Einrichtungsgegenstände in staatlichen Besitz übernommen. Das Mobiliendepot stattete seit dem 18. Jahrhundert kaiserliche Schlösser und Amtsstuben aus, seit 1918 richtete es Ämter, Botschaften und Amtsstuben der Republik Österreich ein, ab 1939 auch mit „arisierten“ Möbeln.

Nach 1945 wurde einiges im Zuge der Restitution zurückgegeben, anderes blieb verschollen. In vielen Fällen gibt es keine Besitzer oder Nachkommen der Besitzer mehr. Problematisch wird die Situation, wenn es sich um ein Grundstück oder ein Haus handelt, für das ehemalige jüdische Besitzer oder deren Nachkommen ein Rückstellungsverfahren einleiten. Oft dauern die Prozesse Jahre, die für beide Parteien nervenaufreibend sind. In vielen Fällen geben die ehemaligen jüdischen Besitzer auf oder verkaufen das Haus den neuen Besitzern.

Wenn du dich für diese Thematik interessierst, dann schau auf die folgende Seite!

Berichte über 8 Arisierungen (© IFF Universität Klagenfurt)

Anhand dieser 8 Fälle kannst du erfahren, wie die Enteignung vor sich gegangen ist, wie die ehemaligen Besitzer oder deren Nachkommen Rückstellungsanträge gestellt haben und wie weit der Fall heute erledigt ist.

Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Geschichte des ehemaligen Sanatoriums Purkersdorf bei Wien, das vor dem Anschluss 1938 ein Treffpunkt der internationalen Hautevolee war. Es gehörte dem jüdisch-deutschen Industriellen Victor Zuckerkandl.

Sanatorium Purkersdorf bei Wien / Bericht über die Arisierung (© Purkersdorf online)


Wenn du diese Seite genau gelesen (und ev. im Geschichteunterricht gut aufgepasst) hast, kannst du die Fragen des folgenden Quiz sicher beantworten. Klicke dazu auf das Bild der Anne Frank!

TESTE DEIN WISSEN ...   


Erläuterungen:

deportieren: jemanden zwangsweise verschicken

Euthanasie: Sterbehilfe für unheilbar Kranke

Hautevolee: vornehme Gesellschaft

Holocaust: Massenvernichtung. Vom griech. Begriff "holokaustos" = völlig verbrannt ( = hebräisch "Shoa")

Muslim / Moslem: Angehöriger des Islam

Pogrom: mit Plünderungen und Gewalttaten verbundene Verfolgung von Minderheiten, im 3. Reich besonders von Juden. Ein berüchtigtes Beispiel ist die "Reichskristallnacht" (1938).

Restitution: Wiedergutmachung, Wiederherstellung

Shoa: Siehe Holocaust!

Stigmatisierung: Brandmarkung

Transsubstantiationslehre: Lehre, dass sich Brot und Wein beim Abendmahl in Leib und Blut Christi verwandeln

 

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