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HJ-Dienst:
Leibesübungen, Schießen, Geländesport
Der Inhalt des Verordnungsblattes ist vertraulich zu
behandeln und ist nicht für die Presse bestimmt.
Betrifft: Körperliche Ertüchtigung der HJ
Das Jahr 1934 ist
nach dem Willen des Reichsjugendführers ein Jahr der Schulung des
HJ-Führers wie des Hitler-Jungen. Die Schulung erfaßt im Gegensatz
zu den Erziehungsmethoden der vergangenen Epoche des Liberalismus
den ganzen Menschen, körperlich wie geistig seelisch. Die gesamte
Schulung erfolgt im nationalsozialistischen Geist, und die
Hitler-Jugend ist berufen, mit der Durchführung des neuen
Erziehungsgrundsatzes der Einheit von Körper, Geist und Seele den
neuen nationalsozialistischen Menschen von der Jugend her von Grund
auf zu formen. Diese Erziehung zum Nationalsozialisten ist in erster
Linie eine Angelegenheit des Charakters und damit der
Willensbildung. Sie muß dort einsetzen, wo der Mensch noch
beeinflußbar ist, also in seiner frühesten Jugend. Diese
charakteristische Schulung des jungen Deutschen findet in der HJ
ihren äußeren Ausdruck in der Haltung des Hitlerjungen, in seiner
freiwilligen Unterordnung, seinem Gehorsam gegenüber seinen Führern,
in seinem Pflichtbewußtsein, seiner Kameradschaftlichkeit, seiner
Liebe zu seinem Führer, seinen Volksgenossen und seinem Vaterland,
in dem jederzeit freiwilligen Einsatz des eigenen Lebens für die
Idee des Nationalsozialismus. Diese charakterliche Schulung des
Hitlerjungen erfolgt in jedem Dienst, der gemacht wird. Sie findet
außerdem statt in der Vermittlung eines bestimmten
nationalsozialistischen Wissensgutes, das die Haltung und
Willensbildung des Hitlerjungen maßgebend beeinflußt und bestimmt.
Neben dieser
geistigen Schulung steht die körperliche Ausbildung. Der
Gesundheitszustand der deutschen Jugend ist nach den ärztlichen
Berichten erschreckend schlecht. Die Ursache liegt auf der Hand...
Aber nicht aus
gesundheitlichen Gründen allein hat sich die HJ die körperliche
Ertüchtigung der deutschen Jugend zur Aufgabe gemacht. Da jeder
Hitlerjunge freiwillig bereit ist, mit seinem Leben für seinen
Führer und für den Nationalsozialismus einzustehen, ist er auch
verpflichtet, die hierfür erforderlichen körperlichen
Voraussetzungen zu schaffen. Der Einsatzwille nützt nichts, wenn
nicht auch die körperliche Leistungsfähigkeit vorhanden ist, ihn in
die Tat umzusetzen.
Die Erziehung zu
höherer körperlicher Leistungsfähigkeit hat weder mit militärischen
Dingen noch mit Soldatenspielerei etwas zu tun. Es ist eine der von
der HJ übernommenen großen Aufgaben, dafür zu sorgen, daß jeder
Hitlerjunge einen gesunden, sportlich gestählten und
leistungsfähigen Körper erhält. Das ist aber nur der Fall, wenn
jeder Hitlerjunge laufen, springen, werfen, sich wehren (boxen und
ringen), retten (schwimmen) lernt, wenn er marschieren, Luft- oder
Kleinkaliberschießen kann und im Gelände seinen Mann stellt. Eine
solche umfassende körperliche Ertüchtigung ist Arbeit an sich
selbst, aber auch Dienst am Volk. Sie macht den Großstadt- wie den
Bauernjungen zu gesunden, frohen und leistungsfähigen Menschen, die
freudig und stolz ihren Dienst in der HJ erfüllen und aus dieser
freudigen körperlichen Bestätigung wieder Kraft für ihre
Berufsarbeit schöpfen.
Kraftvolle, stolze, wehrfähige und frohe Jugend durch
die körperliche Ertüchtigung zu schaffen, das ist Ziel der
Hitlerjugend.
Erreicht werden kann
dieses Ziel nur durch die systematische Ausübung der Grundausbildung
in den Leibesübungen, des Luft- bzw. Kleinkaliberschießens und des
Geländesports...
Aus den Wochenplänen:
(1
Turnabend etwa 2 Stunden)
Spiele ohne Gerät:
5-10 Spiele ohne Gerät.
Übungen ohne Gerät:
Ausgangsstellungen und etwa 5-8 gymnastische Übungen.
Bodenturnen:
Rollen vor- und rückwärts, Doppelrolle vor- und rückwärts.
Hechtrolle über 1 Mann.
Boxschule
(nur wo Lehrer vorhanden): Vorstellung, der gerade Stoß, Hochdeckung
gegen Mitstoß, Hoch- und Tiefstoß, Hoch- und Tiefdeckung gegen Vor-
und Nachstoß.
Oder:
(1
Sonntagvormittag etwa 3-4 Stunden)
Unterricht:
Kartenkunde 1:25 000. Zurechtfinden nach Sonne und
Uhr. Einrichten der Karte.
Im Gelände:
Zurechtfinden im Gelände nach der Karte 1:25 000 verbunden mit
kleinen Orientierungsaufgaben.
Ordnungsübungen:
Etwa 15 Minuten Einzelausbildung und geschlossene Ordnung der
Gruppe.
Oder:
(1
Sonntagvormittag etwa 4-6 Stunden)
Übungsmarsch:
10-15 Kilometer mit 5-10 Kilogramm Gepäck, je nach Alter
und Leistungsfähigkeit, verbunden mit Lageraufbau, Abkochen
usw. je nach Witterung oder mit Orientierungsaufgaben mit
und ohne Kompaß; Geländebeschreibung, Geländeausnutzung,
Tarnen, Entfernungsschätzen.
Oder:
Gelände- oder Straßenlauf:
Etwa 5- 8 Minuten, Tempo nach den Schwächsten richten, gute
Läufer in besonderen Abteilungen zusammenlassen.
Oder:
(1
Sonntagvormittag etwa 3-4 Stunden)
Unterricht:
Wiederholung: Kartenkunde 1:25 000. Zurechtfinden nach Sonne
und Uhr, Polarstern, Geländeformen, Geländebeschreibung.
Im Gelände:
Zurechtfinden im Gelände nach der Karte. Auffinden von sichtbaren
Punkten im Gelände auf der Karte.
Sehübungen:
Ziele auf Nähe und Entfernungen aufbauen, Ziel erkennen und
beschreiben, Entfernungsschätzen.
Oder:
(1
Sonnabendnachmittag etwa 2-3 Stunden)
Wiederholung: Schießlehre: Vorgang beim Schuß
außerhalb der Waffe. Dreieckzielen: Anschlag sitzend am Anschußtisch
und liegend aufgelegt. Zielen und Abkrümmen, usw.
Quelle: Verordnungsblatt der
Reichsjugendführung vom 15. März 1934 (Institut für Zeitgeschichte,
München DB. 44.02). Die
alte Rechtschreibung wurde beibehalten.
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