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THEATER IM DRITTEN REICH Zu: Renate Welsh, In die Waagschale geworfen |
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In Renate Welshs Erzählung "In die Waagschale geworfen" geht es um die Schauspielerin Dorothea Neff, die ihrer jüdischen Kollegin Lilli Wolff das Leben gerettet hat. Das Onlinelexikon "aeiou" enthält ein Bild der Schauspielerin. Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 begannen nicht nur für jüdische Schauspieler, sondern für das Theater ganz allgemein schlechte Zeiten. Das Theater durfte von nun an nicht mehr kritisch und modern sein, sondern musste ganz im Dienste des Nationalsozialismus stehen. Es musste ein Gefühl der Überlegenheit der „arischen“ Rasse vermitteln und beim jungen Publikum „heldische Herzen erwecken“, wie der Reichsjugendführer Baldur von Schirach meinte. Neu entstandene Heldendramen und klassische Werke (etwa von Goethe und Schiller) wurden aufgeführt. In allen Stücken wurde die heroische Opferbereitschaft als Eigenschaft des "germanischen" Menschen betont. „Politisch unzuverlässige“ oder „nicht-arische“ (vorwiegend jüdische) Künstler wurden von vornherein ausgegrenzt. Bei der Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 wurden auch viele Theatertexte in den Flammen vernichtet. Dramatiker, Regisseure und Schauspieler, die ihre arische Herkunft nicht nachweisen konnten oder kein Treuegelöbnis zum Naziregime ablegten, wurden mit Schreib- oder Spielverbot belegt. Viele von ihnen suchten einen Ausweg in der Emigration. Andere Theaterleute köderte man durch Verbesserung ihrer materiellen und sozialen Situation. Sie erhielten Gagen und Privilegien, von denen sie vorher nur geträumt hatten. Alle Bühnenangehörigen mussten Mitglied der Reichstheaterkammer sein und wurden von dieser auch kontrolliert. Die Spielpläne wurden zensuriert. Gutes Theater entstand in dieser Zeit meist nicht in Deutschland, sondern im Exil. Bertolt Brecht etwa schrieb seine bedeutendsten Stücke im Ausland. Seine "Mutter Courage" wurde - wie viele andere Exil-Dramen auch – im Zürcher Schauspielhaus aufgeführt, wohin viele Schauspieler, Regisseure und Bühnenbildner geflüchtet waren. Einer, der sich angepasst hatte, war Hanns Johst (1890–1978). Er beschrieb in seinem Drama "Schlageter" die Tugenden des nationalsozialistischen Helden: Willens- und Entschlusskraft, Opferbereitschaft und soldatischen Gehorsam. Viele historische Schauspiele entstanden zu dieser Zeit, die heute – zu Recht – vergessen sind. Es ging darin nämlich nicht um die Darstellung von geschichtlichen Zusammenhängen, sondern einzig und allein um das Aufzeigen der Allgemeingültigkeit von nationalsozialistischen Idealen. Die "graue Vorzeit", das Mittelalter oder Figuren wie Napoleon, Martin Luther oder Bismarck waren die beliebtesten Themen. Mit
dem „Thing-Spiel“, benannt nach dem Gerichtsplatz der Germanen, wollten
die nationalsozialistischen Kulturpolitiker eine eigene Theaterform
schaffen. Man nahm sich die Antike zum Vorbild und ließ diese Veranstaltungen
an "geweihten Plätzen" wie Hünengräbern oder Schlachtfeldern
stattfinden, wo man Freilichtanlagen für bis zu 20 000 Besucher errichtete.
Ein Chor trat auf, der die Auch in Österreich setzten die Nationalsozialisten ab 1938 in fast allen Theatern ihnen genehme Künstler als Direktoren und Schauspieler ein. Die Organisation "KdF" ("Kraft durch Freude") war im 3. Reich für die Freizeitgestaltung zuständig, hatte u. a. auch die Aufgabe, kostengünstige Theaterkarten an Interessenten zu vermitteln. Das Burgtheater wurde während des Krieges durch Bombeneinschläge und einen ungeklärten Brand stark beschädigt. Das Ensemble, unter der Leitung des beliebten Schauspielers Raoul Aslan, fand für zehn Jahre eine Ersatzheimat im "Etablissement Ronacher", dem heutigen "Ronacher" im 1. Bezirk Wiens. Die Wiedereröffnung des Hauses am Ring fand 1955 statt. Auch die Staatsoper wurde durch Bomben verwüstet. Der Wiederaufbau dauerte 10 Jahre. Erst 1955 wurde die Staatsoper mit Beethovens "Fidelio" wiedereröffnet. In der Zwischenzeit spielte man in der Volksoper und im Theater an der Wien, das seit 1939 geschlossen und 1945 wieder eröffnet worden war.
Erläuterungen: Emigration: das freiwillige oder erzwungene Verlassen des Heimatlandes aus politischen, weltanschaulichen, religiösen oder rassischen Gründen Exil: meist aus politischen Gründen bedingter Aufenthalt im Ausland nach Verfolgung, Verbannung oder Flucht
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