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Statussymbole sind
vordergründige Hinweise auf den Rang, den ein Mensch in der
Gesellschaft einnimmt. Dazu gehörten in den Fünfzigerjahren v. a.
die moderne Wohnungseinrichtung, das Auto und die Art und Weise der
Freizeitgestaltung. Über das Auto erfährst du mehr im Kapitel
"Motorisierung". In diesem Abschnitt geht es um das Wohnen und um
die Freizeitgestaltung der Menschen der Fünfziger.
 Wohnen
im neuen Stil
Neue Materialien, neue Stoffe,
neues Design - all das prägte die Wohnungseinrichtung der
Fünfzigerjahre, die damit unverwechselbar wurde. Mittelpunkt
der Wohnung war das Wohnzimmer, wie du es auf dem Bild sehen
kannst. Deine Großeltern waren sicher sehr stolz, als sie
sich zum ersten Mal ein "modernes" Wohnzimmer leisten
konnten. Die alten Möbel wurden oft zerlegt, zerschnitten
und im eigenen Ofen verbrannt.
Beliebte Ergänzungen der
Standardwohnzimmereinrichtungen waren Stehlampen und kleine
Tischchen, die man auf Grund ihrer Form auch als Nierentischchen
bezeichnete.
Das Wohnzimmer war zumindest einige Jahre ein
Statussymbol, bis es zur Selbstverständlichkeit wurde. In den
Fünfzigern signalisierte es, dass die Familie einen gewissen
Wohlstand erlangt hatte. Wer sich noch einen der ersten
Fernsehapparate leisten konnte, stand in der sozialen Rangordnung
noch weiter oben. Verwandte und Bekannte wurden zum "Fernsehen"
eingeladen.
Dabei
war es auch wichtig, den Gästen respektables Geschirr vorsetzen
zu können. 1959 begann man in
Wilhelmsburg in Niederösterreich mit der Produktion des
Lilienporzellans, das in der Folge reißend Absatz fand.
Vor allem die Serie "Daisy" war bald in allen Haushalten
zu finden. Über den "Daisy-Teller" führt ein Link
zu einer Seite, auf der du dir einen Überblick über
diese Serie verschaffen kannst. Vielleicht sammelt in deiner
Familie sogar jemand Lilienporzellan, das mittlerweile bereits
einen beachtlichen Liebhaberwert erreicht hat.
GESCHIRR-MUSEUM |
Geschirr-Museum Wilhelmsburg 
http://www.geschirrmuseum.at
Ein Museum rund um das Wilhelmsburger Lilien-Porzellan - mit großer "Daisy-Ausstellung".
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Badezimmer gab es in den Fünfzigerjahren
noch sehr selten. Daher ging man in öffentliche Badeanstalten, so
genannte "Tröpferlbäder", in denen man eine Kabine mit Badewanne
mieten konnte.
Kaum jemand weiß, dass in den
Fünfzigerjahren die Wurzeln eines internationalen Großbetriebes
zu finden sind: IKEA begann mit der Produktion eigener
Möbel und verpackte sie - in Einzelteile zerlegt - in möglichst
handliche Pakete. Mehr darüber kannst du auf der Seite von
IKEA nachlesen ...
Freizeitgestaltung
Die
Freizeitgestaltung der Erwachsenen bestand aus Kinobesuchen (Siehe
dazu den Abschnitt "Medien"!) und in zunehmendem Maße aus Fernsehen.
War man in einer größeren Stadt zu Hause, dann kamen natürlich auch
Theaterbesuche sowie Vorstellungen des in der Nachkriegszeit wieder
auferstandenen Kabaretts in Frage. Gerhard Bronner, Peter Wehle,
Carl Merz und Helmut Qualtinger waren die Vertreter einer neuen Form
des kritischen Kabaretts. Daneben gab es in Wien -
übrigens ohne Unterbrechung seit 1912 - das Kabarett "Simpl", dessen
Symbol die rote Bulldogge war. Der "Bulli" profitierte von der
Rückkehr des prominentesten Kabarettisten der Vorkriegszeit: Karl Farkas kam aus der Emigration zurück und wurde zum bekanntesten
Kabarettisten Österreichs. Diese Tatsache verdankt Farkas allerdings
dem neuen Medium Fernsehen, das Jahre hindurch die
Simpl-Aufführungen im Abendprogramm zeigte. Die Doppelconference
zwischen dem "G´scheiten" (Karl Farkas) und dem "Blöden", zuletzt
gespielt von Ernst Waldbrunn, war ebenso populär wie seine Ansage: "Schaun
Sie sich das an!"
Von großer Bedeutung war es,
als 1955 die beiden größten Bühnen, das Burgtheater und die
Staatsoper, wieder eröffnet wurden. Sie waren bei einem
Bombenangriff 1945 zerstört worden und mussten in jahrelanger Arbeit
wieder aufgebaut werden.


Für die alltägliche Unterhaltung sorgten wie bei
Kindern und Jugendlichen der Rundfunk und die
Plattenindustrie.
Gelesen wurde natürlich auch - viel mehr als heute sogar, wenngleich
der Lesestoff teilweise aus so genannten Schundromanen bestand, die in Trafiken verkauft wurden. Dazu gehörten auch die kleinformatigen
Heftchen aus der Reihe "Jörn Farrow" und "Rolf Torring".
Höhepunkt der Freizeitgestaltung war der Familienurlaub mit der
Bahn oder mit dem eigenen Auto. Flugreisen in den Urlaub gab es noch
keine. Die wären viel zu teuer gewesen...
Viele Familien verbrachten ihren
Urlaub als "Sommerfrische" in den verschiedensten
Teilen Österreichs. Das beliebteste "Fernziel" war
Italien. Wer sparen wollte, war mit dem Zelt - vielleicht
sogar kombiniert mit dem Fahrrad - unterwegs. Die Kabarettisten
Pirron und Knapp haben damals einen sehr originellen Text
über den Campingurlaub geschrieben, den du nun nachlesen kannst.
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PIRRON UND
KNAPP: DER CAMPINGURLAUB |
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Hinweis: Der Text wurde zum
besseren Verständnis für SchülerInnen bearbeitet. Mundartliche
Begriffe wurden teilweise durch hochdeutsche ersetzt.
Wir bringen Ihnen jetzt, ob Sie es hör’n woll’n oder nicht, unseren
Campingrundreisebericht.
Das
Wichtigste beim Camping ist ein erstklassiges Zelt,
man braucht einen Tisch, einen Sonnenschirm und auch ein Bett, das sehr
gut hält.
Dann braucht man Luftmatratzen, Schlafsäck´, einen Sessel für den
Gast
und als Österreicher einen rot-weiß-roten Fahnenmast.
Drei, vier Reindl, ein paar
Häferl, eine Dose für das Salz,
einen Seier
für die Nudeln, einen Tiegel für das Schmalz,
ein paar Gabeln, Löffel, Messer, eine Kanne für den Tee,
zwei, drei Teller und einen Stampfer für das Erdäpfelpüree.
Jetzt können`S wohnen, können`S kochen, aber eins können Sie noch
nicht,
Ihre Füße waschn, s’Gschia, die Händ und s’Gsicht.
Dazu brauchen’S eine
Lawua, am besten nehmen Sie gleich zwei,
weil sonst gibt es in der Früh um des Lawua a Streiterei.
Einen Wassersack, den brauchen’S unbedingt, dann wär auch g’scheit
ein Kanister als Reserve, falls kein Wasser weit und breit.
Ein Geschirrtuch und ein Badetuch, drei Handtücher, einen Schwamm,
einen Waschl für das
Gschirr, zwei, drei Stück Seife, einen Kamm.
Etwas Soda, Reibsand, Hautcreme gehört dazu, wenn man campiert,
nicht vergessen einen Kübel, mit dem das Wasser ausg´schütt wird.
Und wenn´S das alles haben, sind Sie fertig und fix,
nur für eine Reparatur haben’S noch nix.
Dazu brauchen´S eine
Nadel, einen Zwirn, eine Schea,
einen Draht,
etwas Lötzinn, falls ein Reindl irgendwo ein Loch
kriegt hat,
eine Lötlampe, die brauchen´S, weil sonst wird der
Zinn nicht weich,
und einen Spiritus, sonst spielt Ihnen die Lampe
einen Streich.
Ein Synthetikum
zum Picken und zum Binden einen Bast,
ein paar Nägel, eine Zange, siebzig Meter Hansaplast.
Auch ein Fleckputzmittel brauchen´S, merken Sie
sich diesen Rat,
denn sonst seh’n die Leute gleich, was man im Urlaub
gegessen hat.
Und als wir beide dann dermaßen
ausgerüstet war´n,
sind wir mit dem Auto noch Italien gefahrn.
Bis nach Wiener Neustadt war das
Fahr´n a Passion,
nur das Geschirr, das hat einen Lärm g’macht, und der Reibsand war am
Bod’n.
Doch dann kommt der blöde Schranken und der geht auf einmal zua,
und wir müssen plötzlich bremsen und des G’schirr kommt zu uns
fua.
Auf die Gabeln samma g’sessn und wir konnten uns net
drahn,
sonst wären die Nudln owegflog’n, die uns am Schoss g´legen san.
Dass der Schranken wieder oben war, haben wir erst gar net erblickt,
weil das Hansaplast, das hat die ganze Windschutzscheib´n verpickt.
Und dann war’n wir in Semmering, die Luft war
oba mies,
weil uns der Spiritus ausgrunna is.
In der Kurve hat der Sonnenschirm sich aufgspannt über’m Bett,
die ganzen Nudl’n san am Bod’n gleg´n, nur die Gabeln leider net.
Unsere Fahnenstange hat auf einmal das Gleichgewicht verlorn,
drauf ist ein Radlfahrer von der Stangen aufgegabelt word’n.
Doch das hat ihm net vü ausgmocht, hab’n wir später dann erfahrn,
weil er wär ja sowieso genau die gleiche Strecke g´fahrn.
Und damit er uns net owe foit, drum haben
wir ihn mit’n Draht,
an die Stange bund’n, seng´S, es is scho guat,
wan ma an hat.
Wir sollten schon in Italien sein nach unserer Uhr,
dabei warn wir ned amoi no in Bruck an der Mur.
Und die nächsten Kilometer hab’n sich fürchterlich gezog’n,
wia der Reibsand is uns plötzlich ins Getriebe einigflog’n.
Und auch durch den Lärm vom Gschirr san wir net aufmerksam d’rauf
wurd’n,
dass wir schon seit längerer Zeit an hintern Reifen hab´n verlurn.
Ganz schön langsam hat sich alles aufg´löst, doch zum Glück,
hat der Synthetikum wieder alles ganz von selber zusammen gepickt.
Und mit letzter Kraft samma einigfahr´n in Bruck dort an der Mur.
Haben das Klumpert einem
Oitwarentandler um an Kilopreis verkauft,
weil vom Camping hab’n wir drei für alle Ewigkeit jetzt
gnua.
Erläuterungen:
ausgrunna:
ausgeronnen
dermaßen:
auf diese Art und Weise, in dieser Form
drahn: drehen,
umdrehen
fua: vor
gnua: genug
Gschia / Gschirr: Geschirr
Häferl: größere Tassen
Hansaplast:
Klebestreifen zum Verbinden bei Verletzungen
Klumpert:
wertlose Dinge
Lawua: Lavoir = große, flache Schüssel zum
Waschen
ned amoi no:
nicht einmal noch
net owe foit:
nicht hinunter fällt
oba: aber
Oitwarentandler:
Altwarenhändler
owegflog’n:
hinunter gefallen
Reindl: Töpfe
samma: sind
wir
Schea: Schere
Seier: eig. Seiher = Sieb für
Flüssigkeiten
seng´S: sehen
Sie
Synthetikum:
Klebstoff
vü: viel
Waschl: grobes, raues Tuch zum Abwaschen
wan ma an hat:
wenn man einen hat
wia: als
wurd’n:
geworden
Schmalfilmkamera
Klein und handlich für die Urlaubsreise |
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