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Marcel Keiffenheim
Wildkamele. Unbekannte Überlebenskünstler
aus der Wüste Gobi
Aus:
http://www.greenpeace-magazin.de/archiv/hefte01/3_01/wildkamele.html
©
Greenpeace
Drei
Wochen war John Hare schon zu Fuß durch unerforschte Gebiete der
chinesischen Wüste Gobi marschiert, als er im Frühjahr 1999 fast an
seiner aufregendsten Entdeckung vorbeilief. Einer der Kameltreiber der
britisch-chinesischen Expedition hatte noch mehr Kraft als der Rest der
Gruppe. Er kletterte auf eine Sanddüne und winkte plötzlich aufgeregt.
Hare stürmte ihm nach – und sah ein äußerst seltenes Tier: ein
Wildkamel. Auch wenn der Brite als Spezialist für die Spezies schon auf
früheren Expeditionen einigen der zweihöckrigen Wüstenbewohner begegnet
war, faszinierte ihn der Anblick. „Das Tier trank von einer Quelle und
hatte so viel Wasser geschluckt, dass sein Bauch so angeschwollen war, als
ob es schwanger wäre.“ Die Tragweite seiner Beobachtung begriff er
freilich erst, als er später selbst von der Quelle probierte: Das Kamel
hatte Salzwasser getrunken.
Daran
wäre jedes andere Landsäugetier gestorben. Nicht mal die für ihre Genügsamkeit
bekannten Lastkamele vertragen so eine Brühe. Sie sind allerdings mit den
wilden Namensvettern nicht enger verwandt als beispielsweise Wolf und
Hund, sagt Professor Han Jianlin von der Universität Gansu, der derzeit
die Gene der Wildkamele erforscht. Noch kann der chinesische
Wissenschaftler nicht sagen, ob es sich um Vorläufer der Hauskamele oder
eine ganz eigene Art handelte. Ebenso unklar sei, was die Wüstenbewohner
befähigt, Salzwasser zu vertragen.
Hare
glaubt allerdings nicht, dass sie es freiwillig trinken. „Weil die
Menschen in die Lebensräume der Wildkamele vordringen, werden diese immer
tiefer in die Wüste abgedrängt, wo es einfach kein anderes Wasser
gibt.“ Bis 1996 sorgten ausgerechnet die in jeder anderen Hinsicht
katastrophalen Atombombenversuche für den Erhalt der Art. Dann
unterschrieb die Führung in Peking das Teststopp-Abkommen und öffnete
die riesigen militärischen Sperrgebiete für Zivilisten. Goldschürfer
und Glücksritter strömten in den wilden Westen Chinas, wo sie zur
Frischfleischversorgung die Jagd auf Wildkamele begannen. Dabei bedienen
sie sich mitunter besonders perfider Methoden: An Wasserstellen vergraben
sie Minen; ein durstiges Kamel, das drauftritt, gibt anschließend immer
noch ein gutes Gulasch ab. Hare schätzt, dass in der Gobi höchstens 600
Wildkamele dieses Gemetzel überlebt haben.
Immerhin
konnte er aber die chinesische Regierung im vorigen Jahr überzeugen,
150 000 Quadratkilometer Wüste zum Schutzgebiet für die bedrohte
Art zu erklären – ein Areal fast halb so groß wie Deutschland. Parallel
hat Hare eine große Aufklärungskampagne angestoßen. Denn ohne Unterstützung
der Bevölkerung können auch die neu eingestellten Wildhüter ein
Aussterben der seltenen Tiere nicht verhindern. Bislang geht sogar
sein eigener Expeditionsführer zwischen den Touren auf Kameljagd.
Aus:
http://www.greenpeace-magazin.de/archiv/hefte01/3_01/wildkamele.html
©
Greenpeace
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